Neue Medizin – Medical Wellness
Man weiß gar nicht so recht, wo man anfangen soll.
Medizin, Gesundheit, Wellness, Bewegung, Sport und viel des andere mehr sind Dauerthemen in den Medien, bei denen mehr oder weniger jeder mitreden kann und in denen sich fast jeder als „Experte“ fühlt. Viele werden sich fragen: was hat Medizin mit Wellness zu tun? Oder: was hat Bewegung und Sport mit Wellness und mit Medizin zu tun?
Ich glaube, sehr viel! Und ich möchte dies ein wenig beleuchten und hoffe, dass die Diskussion uns alle in die richtige Richtung weiter bringt.
Viele kritische Stimmen fordern schon lange ein generelles Umdenken in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens. Dieses Umdenken ist heute mehr denn je notwendig. παντα ρει– alles fließt, wusste schon der griechische Philosoph HERAKLIT. Und wer nur ein wenig nachdenkt sieht: alles spricht für einen dringend notwendigen Wandel auf vielen Gebieten. Besonders auch in der Medizin. Über diese Medizin sagte die Barmer GEK Chefin Birgit Fischer am 05.1.2010 im Spiegel online: „Unser Gesundheitssystem ist ein Reparaturbetrieb“
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,669913,00.html
Frau Fischer weiter auf die Frage, welche Änderungen notwendig sind: „Indem wir keine absurden Debatten mehr führen, in denen permanent Angst vor einem Versorgungsnotstand geschürt wird. Beispiel Ärzte: Wir müssen endlich den wahren Bedarf ermitteln, dann Konzepte zur Versorgung und Qualitätsstandards entwickeln, an denen sich gute Arbeit und eine entsprechende Vergütung orientieren. Es muss für die Patienten transparent sein, wer welche Leistungen zu welchem Preis und zu welcher Qualität erbringt“ … und auf die Frage nach der Rolle der Patienten (immerhin sind die Deutschen Weltmeister bei Arztbesuchen): „Natürlich hat jeder eine Eigenverantwortung, deshalb ist mir das Thema Prävention so wichtig. Derzeit ist unser Gesundheitswesen vor allem ein Reparaturbetrieb. Würde jeder stärker auf seine Gesundheit achten, könnten etliche Krankheiten vermieden werden“.
Aber wie ist das mit dem notwendigen Umdenken? Die schnelllebigen, ständigen wissenschaftlichen, technischen, politischen, aber auch ethischen Forderungen unterliegende Gegenwart hat ihre ganz besonderen Gesetze, die voreiliges Umdenken zum Wagnis machen können. Die von Fr. Dr. Penner im Blog angedachte „Revolution“ wird also ziemlich schwierig werden. Der Grund: es fehlt ein gesellschaftlicher Konsens, was wir uns in Sachen Gesundheit, Diagnostik und Therapie leisten wollen und können. Zu welchen finanziellen Zugeständnissen sind wir bereit, damit wir eine Medizin bekommen, die Qualitätsansprüchen genügt und die nicht nur teuer ist? Wollen wir auf Urlaub oder neue und größere Autos unserer Gesundheit zu liebe verzichten?
Noch immer gilt auch, dass die Patienten ein großes Vertrauen zu ihren Ärzten haben. Ist das generell gerechtfertigt? Haben die Patienten, wie es Frau Fischer richtig fordert, die Möglichkeit zu unterscheiden zwischen gut und weniger gut? Und wer sagt uns eigentlich, was für den Patienten gut ist und ob er das überhaupt haben möchte?
Ich darf noch einmal Frau Fischer zitieren: … Fakt ist, dass alle Lobbygruppen ihre Schutzzäune immer höher bauen und mit aller Macht verteidigen: Die Vertreter von Ärzten, Pharmaherstellern und Apotheken handeln mit der Politik Lösungen aus, mit der zwar alle Interessenvertreter leben können. Wer bei den Gesprächen aber fast nie im Mittelpunkt steht, ist der Patient.
Neue Medizin könnte also bedeuten: der Mensch mit seiner Tendenz zur Trägheit, seiner Neigung zur Krankheit und mit seinen Schwächen, aber auch mit seinem Potential, sich selbst helfen zu können, steht im Mittelpunkt unseres Denkens und Handelns. Eine Neue Medizin versteht sich dabei als sich ständig wandelnde Institution, als Teil des Lebens, die zwischen Geburt und Tod versucht, individuelle Bedürfnisse von Menschen zu befriedigen – sei es mit vorbeugenden Maßnahmen, sei es als „Hilfe zur Selbsthilfe“ bei Befindlichkeitsstörungen und natürlich auch als moderne Hochleistungsmedizin, die in vielen Fällen auch Reparaturen durchführen kann und muss. Sie versteht sich aber auch als Wegweiser und Kompass, wenn es darum geht, den ratsuchenden Menschen Alternativen und Wege aufzuzeigen, wenn es um die Darstellung verschiedener Behandlungsmöglichkeiten geht.
Letztendlich käme man damit zurück zu den Wurzeln der „modernen Medizin“. Hippokrates (*um 460 v. Chr. auf der Insel Kos in Griechenland) ist es, der heute wie in der Antike für viele Menschen und speziell für die Ärzte jeder Fachrichtung das Leitbild des idealen Arztes verkörpert, der wissenschaftliches Denken mit ärztlicher Erfahrung und hohem ärztlichen und menschlichen Ethos verbindet und der damals schon eine Neue Medizin begründete. Er behandelte nicht die Krankheit, sondern stets den ganzen Menschen, indem er dessen natürliche Heilungskräfte durch Diät, Umstellung der Lebensweise, durch Medikamente in Form pflanzlicher Drogen und letztlich durch die Chirurgie unterstützte. Ein wesentlicher Faktor in der Krankengeschichte (Anamnese) und Diagnose waren daher auch die Lebensumstände des Patienten, seine Konstitution oder auch sein Beruf. Mit dieser besonderen Wertschätzung der systematischen Beobachtung für die Diagnose und therapeutischen Umsetzung brach Hippokrates mit der Tradition der an die Götter und magischen Kräfte gebundenen Medizin – so wie sie heute offensichtlich manchmal auch wieder im Denken einer von der „Wissenschaft“ enttäuschten Gesellschaft Einzug hält. „Zurück zu den Wurzeln, zurück zu Hippokrates“, sollten wir uns zurufen.
Was würde die neue = alte hippokratische Medizin leisten können?
Dazu ein Blick in die bundesdeutsche „Alte Medizin“: 80% der Mediziner können (so wie ich) oder wollen die englischsprachige Literatur nicht lesen. Die deutschen wissenschaftlichen Veröffentlichungen sind in der Medizin aber leider lange schon nicht mehr weltweit führend. Man pflegt trotzdem oder vielleicht gerade deswegen weiter die „deutschen Tugenden“ der Medizin: „unsere Patienten loben uns doch immer, deswegen muss die Medizin gut sein“. Ich habe einmal gehört, dass sich bestimmte Methoden letztendlich erst nach 15 Jahren durchsetzen – bei einer Halbwertzeit des Wissens von 5 Jahren….. Ergebnis: laut einer Studie einer gesetzlichen Krankenkasse werden 90% der Rückenschmerzpatienten über- und fehlversorgt! 90%!
Was hätte eine Neue Medizin dem entgegenzusetzen? Ich will dies am Beispiel aus dem Sport verdeutlichen. In den letzten Jahren hat sich herausgestellt, dass man allein mit den „Deutschen Tugenden“ im Fußball international nicht mehr mithalten kann. Man schaue sich die aktuellen Bundesligamannschaften an: man ist dazu übergegangen, Individuen aus aller Herren Länder zu suchen und sie zu einem homogenen Mannschaftsgefüge zu formen. Dabei gibt es immer wieder auch einmal die Situation, dass ein Spieler nicht ins Konzept des Vereins oder des Trainers passt, der dann aber in einer anderen Mannschaft Kariere macht. Und, auch das ist neu: viele Trainer arbeiten nicht mehr allein, sondern haben einen Stab von Spezialisten, die sich als Team individuell um die Spieler kümmern.
Übertragen auf die Medizin bedeutet dies: wir müssen uns weltweit anschauen, was sich bei wem bewährt hat und dies auf uns übertragen. Das wird nicht bei jedem passen. Auch in einer Fußballmannschaft gibt es Abwehrspieler und Angreifer, es gibt Filigrantechniker oder eher robuste Typen. Die Kunst des Trainers besteht darin, zu erkennen, was seine Mannschaft benötigt – in der Medizin müssten der Arzt oder beispielsweise die Krankenkassen dies tun. Dabei gilt für den Arzt: entweder er weiß selbst, was für welchen Patienten das Richtige ist oder er hat Kollegen (im Fußball nennt man das Trainerstab), die Bereiche abdecken, die er selbst nicht beherrscht. Ich zitiere noch einmal Frau Fischer von der Barmer GEK: „Was das medizinische Know-how angeht, gehört unser System zu den besten der Welt. Was uns aber nicht gelingt, ist die engere Verzahnung des vorhandenen Wissens. Es muss zu einer viel besseren Koordination zwischen Hausarzt, Facharzt und Krankenhaus kommen.“ Ich bin der Meinung: das reicht nicht aus: Es gibt wesentlich mehr Disziplinen, die sich um das Wohl der Menschen kümmern und die im Sinne der hippokratischen Medizin zum „Team“ gehören sollten. Vorausgesetzt, auch sie erfüllen gewisse Qualitätsstandards und verstehen sich damit als Teil eines Ganzen und nicht als Einzelkämpfer (beispielhaft möchte ich nennen: Psychotherapeuten, Sportwissenschaftler, Sportlehrer, Lehrer, Kindergärtnerinnen, Krankenschwester- und –pfleger, Altenpfleger/Innen, Journalisten, Kirchenvertreter, Industrie, Arbeitgeber, Selbsthilfeorganisationen oder vor allem auch kompetente Betroffene/Patienten und viele andere mehr).
Ich werde versuchen, einzelne Aspekte in den nächsten Wochen weiter zu beleuchten und freue mich auf eine rege Diskussion.


Eine “Neue Medizin” … ich bin dafür. Doch im gleichen Moment frage ich mich nach der Motivation bei allen Beteiligten. Der Mensch mit seiner – fehlenden/unvollständigen – Gesundheit. Der Arzt (mehr als ein Mediziner!!) mit seinen wirtschaftlichen Interessen/Zwängen, die Verwalter des Gesundheits- pardon Krankheitssystems und all die Gruppen, die vom Status Quo des Etablierten – mehr oder weniger gut – leben. Muss es eine Revolution geben? Dr. med. Dean Ornish sagt dazu: Wir müssen weg kommen von einer Medizin der Kostenerstattung zu einer Medizin der Wirksamkeit. Der Arzt wird immer das als Medizin/Gesundheit verkaufen, wofür ihn die Kostenträger bezahlen. Und Dr. Don Ardell: Die Menschen erwarten zu viel von der Medizin und zu wenig von sich selbst. Wer also wäre motiviert für eine Neue Medizin? Oder: Wie schaffen wir die nötige Motivation – bei allen Beteiligten?
Ihre Fragen und Bedenken, Herr Hertel, teile ich. Daraus kann ich nun folgende Schlüsse ziehen:
1. es halt alles eh keinen Zweck und ich wurstele weiter wie bisher (angepasst, mit vielen neg. Folgen, z.B. psychischen, weil ich etwas tue, hinter dem ich nicht stehe) oder
2. ich warte auf den Crash, der mit dem Zusammenbruch unseres Gesundheitssytems kommen wird, weil das alles “dank” demografischer Entwicklung nicht anders kommen kann oder
3. ich suche mir Gleichgesinnte und fange im Kleinen an, das umzusetzen, was viele für richtig ansehen. Das alleine reicht aber nicht aus: es bedarf einer Logistik, um das Ganze auch medial umzusetzen.
Ich fürchte: wir haben uns alle schon viel zu lange im System eingerichtet und man sieht ja in der Politik: wer den Kopf zu früh raus streckt: schon ist er ab! Denn für die Medien (und die Konsumenten) ist “Kopf ab” viel aufregender als “Kopf zum Denken nutzen”.
Ziehen Sie bitte den Schluss Nr. 3 und lassen Sie uns Mitstreiter finden. Wie essenziell die Logistik ist, erleben wir ja gerade bei der internationalen Hilfeaktion Haiti.
Die Forderung von Herrn Klein nach einer “Neuen Medizin” ist ja für jeden, der eine tiefere Kenntnis des Wellnessansatzes besitzt, leicht nachvollziehbar und zu bejahen.
Warum setzt es sich nicht durch in unserem Gesundheits- bzw. Krankheitssystem? Die Gründe sind sicher sehr vielschichtig und der zu verteilende Kuchen ist groß. Und gerade aufgrund seiner Größe sind die Lobbyisten mit schwerem Geschütz unterwegs. Kommt da eine kleine und finanziell nicht gut ausgestattete Wellnesbewegung gegen an? Wohl nur schwerlich.
Ich besinne mich daher auf einen Kerngedanken der Wellnessbewegung. Genuss bzw. Spaß an der Sache. Das hat die traditionelle Medizin nicht zu bieten und wird sie wohl auch auf absehbare Zeit nicht bieten können.
Mit einem genussvollen und gesunden Angebot schafft man sich seinen Weg. Den Menschen ist nicht immer die positive gesundheitliche Wirkung verschiedener Wellnesssangebote bewußt. Wenn man sie aber zum Beispiel über den Genuss und Spaß zu einem regelmäßigen Saunabesuch veranlassen kann, dann tun sie damit so wahnsinnig viel für ihre Gesundheit. Das ist gut, auch wenn es teilweise bzgl. der gesundheitlichen Wirkungen unbewußt geschieht. Nicht anders sieht es bei der Hydrotherapie aus (die hat übrigens Hippokrates neben den von Herrn Klein genannten Anwendungen schon in der Antike auf Kos betrieben).
Dies kann sich nicht eine befriedigende und auf Dauer angelegte Lösung sein, aber es nutzt den Menschen und bringt ihnen Gesundheit und Wohlbefinden, sehr schnell und ohne große Widerstände.
Lassen Sie mich zwei Dinge kommentieren, die Herr Peters dankenswerterweise angesprochen hat:
1. “Genuss bzw. Spaß an der Sache. Das hat die traditionelle Medizin nicht zu bieten und wird sie wohl auch auf absehbare Zeit nicht bieten können.” – dem kann ich nicht zustimmen. Ich sehe täglich Gegenteiliges. Wenn man den Menschen a) etwas Zeit schenkt (bezahlt wird die in der “alten” Meidzin leider nicht) und wenn man Ihnen erklärt, warum sie selbst und nicht irgendjemand anders für ihre Geusndheit zuständig ist, wenn man ihnen b) aufzeigt, welchen Mangel an Bewegung sie durch die moderne Lebensweise haben und wie wichtig ein MEHR an Bewegung ist kann man wirklich täglich erleben, wie die Menschen, die dies umsetzen mit strahlenden Augen vor einem stehen und einem erzählen, dass sie nie gedacht hätten, wie gut ihnen die Bewegung tut. Wir kennen die Gründe dafür: z.B. die körpereigene Produktion von Adrenalin und Oxytocin, der Kontakt mit anderen Menschen, der sonst nicht stattgefunden hätte und ganz einfach die gewonnene Lebensqualität durch Reduzierung Schmerz und Optimierung von Bewegung hilft. Das ist für mich auch (!) Wellness. Wir haben den Menschen in der “alten Medizin” viel zu lange passive Maßnahmen rezeptiert und empfohlen. Schonung und Bettruhe als Behandlung von Rückenschmerzen sind eine einzige Katastrophe. Die zunehmenden und zahlreichen sog. Wohlstandkrankheiten haben gezeigt, dass wir damit nicht gesünder geworden sind. Hydrotherapie und Sauna sind für einige Menschen eine tolle Sache und dass sie der Gesundheit dienen ist unbestritten. Sie sind eine schöne und wohltuende Ergänzung, aber kein Ersatz für einen neuen Ansatz im Denken und Handeln.
2. Die Einschätzung der “Lobby-Medizin” teile ich voll. Ihre Konsequenz daraus nicht. Die Menschen sind, dass werden Ihnen viele Insider bestätigen, eigentlich bereit zu Veränderungen. Sie wissen aber durch die Informationsflut nicht, wie sie es anstellen und welchem Guru sie folgen sollen. Wie viele Menschen freiwillig bereit zu Veränderungen sind, wenn klar wird, dass Änderungen weh tun, weiß ich nicht. Ich sehe aber eine (!) Möglichkeit darin, dass ein Verband wie der DWV, der die Informationsdefizite der Bevölkerung aus der täglichen Arbeit kennt, mit seinen zahlreichen Kompetenzen dort tätig wird, wo es dringend notwendig ist: in der Bildung der Menschen. Sachliche, qualitätsgesicherte Informationen geben, auf Schwachstellen des Systems ebenso hinweisen wie auf gute Lösungsansätze – das ist gefragt. Ich denke, der DWV ist da auf gutem Weg.
Auf jeden Fall: Danke für Ihren Kommentar.
Sehr geehrte Herren Hertel und Klein,
ich erlaube mich mit 2 Thesen einzumischen:
1. Wir sprechen immer von einem Geundheitssystem, einem Gesundheitsmarkt, sogar ein Kostenträger nennt sich Gesundheitskasse. Ist es aber nicht schlicht und einfach ein “Krankheitssystem, ein Krankheitsmarkt und bleibt es nicht trotz allem eine Krankenkasse?
2. Wenn zu einem auf Salutogenese beruhendem Gesundheitssystem kommen wollen müssen wir bei einem der wichtigsten Prinzipien beginnen, die z.B. das moderne Management kennt: “Die Stärken stärken”. Analog hieße dies die “Gesunden gesund erhalten”. Wenn die Finanzierung eines wirklichen Gesundheitssystems darauf aufbauen würde, wenn der Focus der Menschen darauf gelenkt werden könnte, wären wir vielleicht einen Schritt weiter. Die Prävention bekäme den Stellenwert den sie verdient und der Begriff “Wellness” endlich die Bedeutung, die über das Auflegen von Gurkenmasken hinausreicht.
zu 1: So einfach ist es nicht in der Medizin. Sie wissen selbst auch: es gibt so viele Dinge, die man nicht zu diesen Bereichen zählen kann. Es gibt halt nicht nur schwarz oder weiß. Von daher verstehe ich diesen Wandel der Begrifflichkeiten anders als Sie. Prävention hat ja nichts mit Krankheiten zu tun – sie sind zumindest zum Teil für Gesunde gedacht. Die angesprochenen Dinge zeigen mir, was man in den Bürokratien einiger Krankenkassen von den eigenen Mitgliedern hält: man hält das Volk ganz einfach für zu dumm, um ihnen reinen Wein einzuschenken. Krankheit, Not, Tod und anderes mehr sind Tabuthemen.
zu 2: Mein Problem, lieber Herr Preibsch, ist Ihr und mein Sendungsbewusstsein: wollen die Menschen wirklich gesund alt werden? Na klar – aber nur, wenn sie nichts dafür tun müssen und wenn es nichts kostet. Und genau da hakt es: lieber Spritze statt Bewegung, lieber Pille statt gesunde Ernährung, lieber Gurkenmaske statt Nordic Walking bei Wind und Wetter (macht auch eine schöne Haut).
Zudem fehlt den meist selbsternannten “Eliten” und “Experten” der Mut zu sagen und zu tun, was man als richtig erkannt hat – z.B. nur noch zu bezahlen, was nachgewiesenermaßen seine Wirkung (evaluiert) bewiesen hat. In meinem Fachgebiet weiß ich: wir würden in der Orthopädie (und auch in der Physiotherapie) so viel Geld freisetzen, dass wir eine wirklich gute, NEUE MEDIZIN machen könnten – zum Wohle aller. Offensichtlich ist doch sehr schwer, eine sanfte Revolution zu organisieren (bei uns WENDE genannt). 1989 war der Druck im kessel so groß, dass es sein musste. Im kranken Krankheitssytem ist es (noch) nicht so weit. Ich bin aber zunehmend guter Hoffnung, dass das System demnächst an die Wand fährt. Die Zeichen mehren sich.
Viele Grüße aus FR
Ihr
M. Klein