Nachhaltiges Wohlbefinden

Wo fängt man, den bereits vorhandenen Grad an Wohlbefinden zu steigern? Da wird jeder seinen eigenen Weg haben. Meine Erfahrung ist, dass der Weg dreistufig ist und in einer bestimmten Reihenfolge stattfinden muss. Wegen der Nachhaltigkeit vor allem. Kurze wohltuende Anwendungen und menschlicher Zuwendungen aller Art sind hilfreich, aber nicht wirklich nachhaltig. Die Wirkung verfliegt schnell. Nachhaltiges Wohlbefinden beginnt im Kopf, genauer gesagt im Geist. Sortieren und Ordnen aller Art ist der erste Schritt. Abwerfen von Ballasten. Platz für neue heilende Gedanken schaffen. Dafür braucht man Zeit. Es geht dann weiter mit dem Körper. Eigentlich genauso wie im Kopf: Den Körper sortieren lassen, Ballaste loswerden, Platz für heilende Nahrung schaffen. Das dritte Domain ist dann die Seele. Das Vorgehen ist anders, aber im Prinzip doch ähnlich, wobei wir viel zu schnell dabei sind, für fehlendes Wohlbefinden seelische Ursachen zu vermuten. Oft, sehr oft sogar meiner Ansicht nach, sind die anderen beiden Aspekte, also der Geist und der Körper, eher ursächlich beteiligt. Krankmachende Gedanken und krankmachendes Essen. Zugegebenermassen ist es nicht einfach, den persönlichen Weg zum Wohlbefinden zu finden. Umso wichtiger ist es so gesehen, jeden einzelnen Tag zumindest ein wenig dafür zu nutzen sich immer ein Stückchen mehr besser zu fühlen. Und wenn man im Geist nicht anfängt, blockiert der resolute Geist alle Bemühungen.

Schöne Grüße vom Isartor,
Zarmina Penner

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  1. Lutz Hertel sagt:

    Wunderbar, ich bin ganz Ihrer Meinung! Welche Konsequenzen ziehen wir daraus für die Branche der Wellness-Dienstleister: Hotels, Urlaubsclubs, Thermen/Freizeitbäder, Spas/Day Spas, Kosmetikinstitute, Massagepraxen, Wellnesstrainer, usw.? Die “Bedürftigen” nutzen diese Orte doch in größter Zahl für passives Fallenlassen: Nicht denken, wenig bewegen – Wohlbefinden durch äußere Reize (und Arbeit anderer) konsumieren. Dieses Geschäftsmodell funktioniert gut. Vielleicht auch gerade deshalb, weil der Effekt nicht nachhaltig ist (siehe auch Botox). Und: Zeit … – ein “Wellnessurlaub” dauert im Durchschnitt 2,6 Tage. Es wird sogar mit “Speed Wellness” geworben, Werbeslogans wie “Der 10-Minuten-Erfolg”. Die Zielgruppen zeichnen sich dadurch aus, dass sie viel Geld, aber wenig Zeit haben (ich weiß: sie nehmen sich eigentlich nur nicht die Zeit, die sie lieber mit anderen Dingen verbringen). Meine Aufforderung, das Wellness-Geschäft einem Reboot zu unterziehen, zielt ja genau in die von Ihnen beschriebene Richtung. Was ist zu tun, wie kann es beiden Seiten des Marktes gelingen, inklusive Wertschöpfung??

  2. Freut mich, dass Sie das ähnlich sehen, Herr Hertel. Das ist ein Faden, den wir gut alle gemeinsam hier weiterspinnen könnten. Wie Sie sagen, Innovationen in diesem Bereich müssen von den Konsumenten erwünscht, gut machbar und natürlich auch kommerziell erfolgreich sein.

  3. Das beste Anti Aging Konzept ist die Pflege der schönen und guten Gedanken. Mit fortschreitendem Alter kommt die Seele zerknittert ins Gesicht. Nur die Erkenntnis der Quelle allen Übels kommt leider meistens erst im Angesicht eines persönlichen an die Grenzen des Abgrunds Kommens. Ein Glück, wenn es dann nicht zu spät ist.

  4. Martin Klein sagt:

    Was für eine schöne Welt, die Sie beschreiben. Meine Welt, in der ich lebe und arbeite sieht anders aus. Die Menschen, die ich sehe und deren Nöte ich kennen lerne, benötigen ganz andere Dinge. Ihre Trilogie ist vielleicht für 1 % der Menschen der BRD schön und gut. Und in der ganzen Welt dürften es 0,001% sein. Und, liebe Frau Banach, die Pflege schöner und guter Gedanken gelingt nur dann, wenn Sie a) das Bewusstsein dafür haben und b) wenn es Ihnen nicht so besch… geht, dass Sie überhaupt in diese Richtung denken können. Die berufstätige, alleinerziehende Mutter, die auch noch krank geworden ist, kann wenig mit diesen Dingen, die sie beschreiben, anfangen und auch der Arbeiter, der abends vom Fließband nach Hause kommt, findet Bier, Nikotin und Glotze angenehmer als die Dinge, die Sie ansprechen und die wir uns für ihn wünschen würden. Die verstehen unter Wellness etwas ganz anderes.
    Ich finde es aber trotzdem gut, wenn Sie, Frau Penner, auch solche Gedanken zu Papier bringen. Für mich sorgen solche Beiträge im DWV dafür, dass ich nicht nur in meinem Beruf, sondern auch gedanklich ein Netzwerk von Kompetenzen aufbaue, das mir hilft und dessen Inhalt ich an andere weitergeben kann – wenn es sie denn interessiert oder interessieren könnte.
    Herzl. Grüße aus FR.

  5. Lutz Hertel sagt:

    … krankmachende Gedanken und krankmachendes Essen … dass bestimmte Teile unserer Gesellschaft mehr davon betroffen sind als andere und dass damit verbunden auch die Chancen auf gesundheitliches Wohlbefinden systematisch ungleich verteilt sind, ist das bekannte Ergebnis medizinsoziologischer Studien (Michael Marmot: Whitehall, ELSA, etc.). Ist “Wellness” und “die Philosophie des Wohlbefindens” doch nur etwas für die Reichen und Schönen? Sollen wir uns also nur denen widmen, die empfänglich sind für unsere Vorstellungen von Wohlbefinden und den Wegen dorthin? Können wir das Leben jenseits des Sozialgradienten durch Missionieren und Aufklären verbessern? Die WHO sagt: „Gesundheitsförderung zielt auf einen Prozess, allen Menschen ein höheres Maß an Selbstbestimmung über ihre Gesundheit zu ermöglichen und sie damit zur Stärkung ihrer Gesundheit zu befähigen. Um ein umfassendes körperliches, seelisches und soziales Wohlbefinden zu erlangen, ist es notwendig, dass sowohl Einzelne als auch Gruppen ihre Bedürfnisse befriedigen, ihre Wünsche und Hoffnungen wahrnehmen und verwirklichen sowie ihre Umwelt meistern beziehungsweise verändern können“. Lassen sich die Gedanken von Zarmina Penner hier nicht integrieren? Können wir Wellness-Experten nicht gerade jenen dabei helfen, die offensichtlich schlechtere Karten haben als andere? Niemand wird behaupten, dass dies einfach wäre. Aber wäre es nicht sinnvoller als der heutige Wellness-Kult zwischen Massageliege, Dampfbad und Kosmetiktiegel?

  6. Katarina Banach sagt:

    Bedürfnisse, Sehnsüchte und Hoffnungen wahrnehmen. Dies wird ganz besonders deutlich,
    eben wenn es einem besch… geht, lieber Herr Dr. Klein. Sie können mir glauben. Den
    Gedanken bei Bier und Glotze würde ich nicht als kleingeistig abschmettern, wie er auch
    immer ist. Und wenn ich von schönen Gedanken spreche, dann ist nicht meine nächste
    Nagellackfarbe gemeint. Auch meine Oma kann ich für interpersonelle Psychotherapie interessieren, wenn ich nur ihre Sprache sprechen will.

    Das Leben entwickelt sich nicht immer schön, aber jeder – wirklich jeder von uns – hat das Potenzial dazu, dass es ihm ein wenig besser geht oder er sogar glücklich ist. Die meisten sind aber zu bequem, um dem tatsächlich nachzugehen. Oder sie suhlen sich gerne im Mitleid.
    Und dann schafft aber die Zuwendung, die man anschliessend von außen bekommt – auch eine Art von Wohlbefinden.

  7. Zarmina Penner sagt:

    Liebe Frau Banach, dass das Leben es mit uns gut meint ist ein sehr schöner und wahrer Gedanke. Freut mich, dass Sie ihn aussprechen.

  8. Martin Klein sagt:

    Zum Kommentar von Herrn Hertel.
    Definition von Hilfe: “Hilfe im Sinne der Hilfsbereitschaft ist ein Teil der Kooperation in den zwischenmenschlichen Beziehungen. Sie dient dazu, einen erkannten Mangel oder eine änderungswürdige Situation zu verbessern. Der Hilfe geht entweder eine Bitte des Hilfebedürftigen oder eine von ihm unabhängige Entscheidung durch Hilfsbereite voraus”.
    In meinem beruflichen Alltag bin ich ganz bei Ihnen, Herr Hertel. Aber: tun wir als “Überzeugungstäter” nicht so, als ob die Nicht-Privilegierten unsere Hilfe haben wollen, obwohl das gar nicht der Fall ist. Denen hilft Fast-Food, Soft-Fernsehen … viel mehr als das, was wir denken, das Ihnen helfen müsste.
    Aber so wie Sie auch: ich gebe nicht auf.
    Zu Frau Penner: schön, wenn das Leben es gut mit Ihnen meint und wenn Sie umgeben isnd von Glücklichen. Kommen Sie mal eine Woche zu mir und hören mal zu, was Menschen berichten, die dieses Glück nicht hatten. Ihnen wünsche ich auf jeden Fall ganz herzlich, dass Sie so glücklich bleiben.

  9. An Herrn Klein: ich bin ganz bei Ihnen. Ich habe meinen heutigen Beitrag in Gedanken an Ihre Erfahrungen aus der Praxis, die Sie neulich beschrieben, geschrieben. Jeder muss seinen eigenen Weg gehen und selbstverantwortlich versuchen, das Beste daraus machen. Lebensumstände können grausam sein, aber das Leben an sich, und das glaube ich fest, meint es vom Ansatz her und ursprünglich immer gut mir uns. Allerdings möchte ich Sie nicht von meiner Meinung überzeugen. Wozu denn auch. Jeder hat seine Meinung und das ist gut so.

  10. Katarina Banach sagt:

    Das Leben ist schön – der Film ist wohl uns allen bekannt, oder…?

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