Des Schönen bescheidener Bestand
Ich werde es mir gönnen, weil ich es mir wert bin. Egomanie? Weltfremdheit? Oder Lebensnähe? Unter erschwerten Bedingungen kommt meistens Sinnhaftiges zum Vorschein. Werthaltiges wird besonders wertvoll . Und oft kommen nicht erkannte Qualitäten zum Vorschein. Krisenstimmung, Zukunftsangst lassen so manche genussskeptische Stimmen aufkommen. Und Genießer werden des Selbstsüchtigen berüchtigt. Weil sie dem Luxus frönen. Und dieser ist in der Krisenzeit tabu. Verantwortungslos, leichtsinnig und überflüssig.
Diesen Zeitgenossen scheint jedoch der wahre Sinn des Genusses nicht bekannt. Da nicht nur von Freude und profundem Sachverstand begleitet – vielmehr wird im Genuss die Wahrnehmung geschärft, die Sinne verfeinert und Erfahrung reicher. Der Genießer trägt dazu bei, rare Kulturen zu bewahren und letztlich sichert er eine Entwicklung dessen, was geschätzt wird. Genuss lässt Menschen zusammen kommen, im Augenblick stehen zu bleiben und Zeit verkosten aus nächster Nähe. Genießer wissen, was Kultur ausmacht. Und schließlich, was auf Dauer Bestand haben wird.
Und wenn wir wieder mal in ein Luxus-Blütenbad eintauchen oder den Jahrgang 1940 seinem Gaumen schenken, so denken wir doch: Schön heißt naturnah. Menschlich und lebensnah, denn Schönheit ist, wenn wir zelebrieren, wer wir sind.
Zu der Frage: Wann ist es erlaubt, sich einen Luxus bzw, Genuss zu gönnen, fällt mir gerade diese kleine Geschichte aus der asiatischen Zen-Literatur ein.
Ein Mönch war auf einer Wanderung. An einem Berghang gab der Boden unter ihm nach und er rutsche ab. Mit den Händen konnte er sich an einer Wurzel festhalten, unter ihm der tiefe Abgrund. Sich nach oben zu ziehen, dafür reichten seine Kräfte nicht. So war es nur eine Frage der Zeit, bis ihn die letzte Kraft verlassen und er in den Tod stürzen würde. Da entdeckte er neben sich eine Erdbeerpflanze, die strahlend rote Beeren trug. So griff er nach einer der Beeren und verspeiste sie mit Genuss, während er in die Tiefe stürzte.