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Warum braucht Wellness neue Namen

Geposted Reboot Wellness am März 13th, 2010 von Juergen Woldt – 1 Comment

Erstmalig beworben habe ich Wellness als Unternehmer bei der Eröffnung meines do it Bewegungsstudios im Jahr 1982 unter dem Slogan „Wohlbefinden für Dich und Deinen Körper“. So war es niedergeschrieben in meinem Eröffnungsprospekt, der an alle niedergelassenen Haushalte der Umgebung ging und gute Resonanz erzeugte.  Mit dieser Aussage zu Wellness wurde schon damals deutlich, dass der Körper nur ein Teil von mir ist, der andere Teil ist etwas, was unabhängig von meinem Körper existiert. Die WHO benannte dieses Gesamtgebilde in der Ottawa Charta „psychosoziales Wohlbefinden“.

Seit 1982 ließ mich der Gedanke nicht mehr los, dass es neben dem Wohlbefinden resultierend aus körperlichen Ertüchtigung auch eines geben muss, das unabhängig davon existent ist.

In den 90er Jahren wurde mir klar, dass Wellness nicht Wohlbefinden bedeutet, sondern das Wellness viel umfänglicher und vielschichtiger betrachtet werden muss, nämlich als ein Lebenskunstkonzept. Gemeint ist damit, die Kunst wie Menschen individuell im Alltag Fähigkeiten entwickeln mit Herausforderungen so umzugehen, dass sie ihr Leben im Sinne eines Kohärenzgefühls genießen können.

Gestatten Sie mir noch mal einen Rückblick: Im  Jahre 1986 wurde in Ottawa in der Charta der WHO ganz offiziell ein Gesundheitsförderungsgedanke verabschiedet. Dort heißt es, Gesundheitsförderung umfasst Maßnahmen und Aktivitäten, mit denen die Stärkung der Potentiale der Menschen erreicht werden soll. Weiter heißt es, Gesundheit wird durch den Menschen selbst geschaffen, dort wo er spielt, lernt, arbeitet, liebt und lebt.

Angesprochen wird hier also eine Handlungskompetenz des Menschen. Das „richtige“ für sich im Alltag zu finden und das „richtige“ im Alltag zu tun.

Bis heute sind sich einige Experten einig, dass sich Wellness auf die gesunde Lebensweise von Menschen bezieht.

Selbst die Mehrheit der Bevölkerung glaubt heute, dass Wellness nicht ein Produkt ist, sondern vielfältige Dimensionen von Lebensqualitäten beinhaltet.

Persönlich beschäftigt mich seit 30 Jahren die Frage, wie der Mensch Wellness für sich persönlich spüren und erleben kann. Mittlerweile bin ich fündig geworden. Meine Sichtweisen und praktischen Konzepte vermittle ich in Fortbildungen in unserer do it Wellnessakademie.

Viele Jahre lang waren meine Frau und ich Einzelkämpfer in der Bildungslandschaft der Wellnessanbieter, was die Vertretung und Ausrichtung unserer Wellness- und Gesundheitsphilosophie anging. Wir blieben uns all die Jahre treu, ließen uns nicht verzwecken und lehrten unseren Wellness Trainern eine Philosophie der Lebenskunst.

Meine Frage ist nun: Warum brauchen wir heute die verschiedenen Bezeichnungen für Wellness, wie z.B. Medical Wellness, REAL Wellness, Reboot Wellness, Luxus Wellness, usw.? Haben wir selbst keine Hoffnung mehr für die ursprüngliche Idee von Wellness eintreten zu können?

Nach wie vor stellt sich für mich Wellness als ein ursprünglicher individueller Ausdruck und eine Handlungsfähigkeit eines Menschen dar, basierend auf einem Menschenbild eines mündigen und aktiven Bürgers, der sich einsetzt für sich und für andere, um Lebensqualitäten zu schaffen und zu fühlen.

Wellness wird so betrachtet als ein Seinszustand – von dem Menschen selbst ausgehend. So kann doch Wellness überall gelebt werden, ob in einer Badelandschaft im Hotel, als Massage oder Saunaanwendung, beim Marathonlauf, beim Kochen, beim Einkaufen!

Wir dürfen Wellness nicht betrachten unter dem Aspekt der Kuration, was bedeutet, Maßnahmen zur Anwendung zu bringen, um verbesserte Funktion herbeizuführen – egal ob nun körperlich, emotional oder mental.

Vielmehr ist Wellness ein Seinszustand, der geprägt ist von meiner Fähigkeit, in meiner Umgebung für mich sinnvoll handeln zu können. Die Nebeneffekte können dann sein: Genuss, Wohlbefinden, Zufriedenheit, usw.,usw.,

In diesem Zusammenhang und zur Poetisierung meines Standpunktes möchte ich auf eine Aussage von Thomas von Aquin verweisen, der mir aus der Seele spricht, wenn er sagt: „Ein dreifaches ist des Menschen Heil. Zu wissen, was er glauben soll, zu wissen, wonach er verlangen soll und zu wissen, was er tun soll.“

In diesem Sinne möchte ich schließen, ohne einen neuen Namen für Wellness prägen zu müssen wie etwa „Aquin Wellness“- oder was meinen Sie?

Herzlichst Ihr

Jürgen Woldt

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